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Ethical Fashion Show: Alma & Lovis im Interview

Das Eco-Fashion Label Alma & Lovis aus Bonn war vom 8. bis 10. Juli 2014 erneut auf der Ethical Fashion Show Berlin vertreten. Ich traf die beiden Inhaberinnen zu einem Interview über ihre Mode und was sie bewegt hat in den nachhaltigen Bereich zu gehen.

Alma & Lovis - Jersey DressDas Designerteam aus Elke Schilling und Annette Hoffman kreiert zusammen seit 2011 schlichte, elegante und selbstbewusste Businessmode für Damen. Die Kollektionen stehen dabei stets unter dem Motto „Starke Frauen“. Für den Sommer 2015 haben sich die beiden für die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo entschieden. „Sie ist eine Frau, die ihren Typ verkörpert, die so sein will, wie sie ist. Sie will nicht irgendwem gefallen, sie gefällt sich in erster Linie selbst“, beschreibt Annette Hoffman die Surrealismus-Künstlerin des beginnenden 20. Jahrhunderts. Damit geht Alma & Lovis sehr farbenfroh in die nächste Saison.

Bei dem Gespräch haben mir die beiden einen kleinen Einblick in die Philosophie eines Eco-Unternehmens gegeben. Eines wurde dabei besonders klar – die Berichterstattung im nachhaltigen Modebereich und vor allem über die Zustände bei den Herstellern ist nach wie vor wichtig für die heutigen Eco-Designer. Nur so kann die Öffentlichkeit ein Bewusstsein für faire Mode entwickeln. Doch nun geht es los mit dem Interview.

Was beudeuten die imaginären Namen Alma und Lovis für Sie?

E.S.: Alma ist die Naturkomponente, die Lebensspende und Lovis ist die Kämpferin, das ist der Gegenpol. Beides brauchen wir und beides steckt in jeder Frau.

Wie läuft die Arbeit so mit zwei Chefs?

A.H.: Sehr gut. Wie das so ist bei Alma und Lovis, der eine bringt die Ruhe mit und der andere den Kampfgeist. Das braucht man ja und wir wechseln uns immer ab und ergänzen uns prima.

E.S.: Die Annette hat Modedesign studiert und bringt das Kreative rein und ich hab Bekleidungstechnik studiert. Wir sprechen uns immer ab und machen die Kollektion zusammen. Die Aufgaben sind dann ein bisschen verteilt.

A.H.: Wir könnten das gar nicht ohne einander, denn wir haben beide Familie und alleine so ein Label aufzubauen…

E.S.: Ich finde es wichtig immer noch eine zweite Meinung zu haben, sich besprechen zu können und abzuwägen.

Was haben Sie denn vor Alma&Lovis gemacht?

A.H.: Ich bin Pionierin sozusagen. Ich habe fast 20 Jahre bei Hess Natur im Design gearbeitet, bin dann ausgestiegen und habe zusammen mit Elke weitergemacht. Wir sind beide aus Bonn und wohnen Luftlinie nur etwa 200 Meter auseinander. Also es gibt keine Zufälle.

E.S.: Ich hab viele Firmen vorher gesehen. Der Grund war für mich, dass ich in der normalen Bekleidungsindustrie nicht mehr arbeiten wollte. Man bekommt mit, wie es dort abgeht. Die Konsequenz war, es anders zu machen oder etwas ganz anderes zu machen.

Welche typischen Aspekte der Modeindustrie haben Sie mitbekommen?

E.S.: Ich war zwar selber nie im Ausland unterwegs, aber man bekommt einiges mit, wenn die anderen zurückkommen. Sie sehen, dass es schlimm ist, aber keiner macht etwas. Vielleicht hat man auch einen Chef, der sagt „Kinder, das ist wirklich schlimm, aber gut, dass es uns besser geht“. Statt weiter dort zu überlegen, könne man froh sein überhaupt Arbeit zu haben. Für solche Leute kann man dann einfach nicht mehr arbeiten.

A.H.: Ich habe auch vorher in der konventionellen Mode gearbeitet und auch bei extremen Firmen, wo dann die Ware aus Fernost gekommen ist und uns ein Chemiewall entgegenflog oder Kolleginnen Ausschlag an den Händen bekamen. Das hat mich damals natürlich schon zum nachdenken angeregt und dann habe ich irgendwann Herr Hess kennengelernt und bin dann in die Öko-Mode umgestiegen. Ich hab dann gesagt, da stimmt von vorne bis hinten etwas nicht. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn einem soviel Chemie entgegenfliegt, dass man davon krank wird.

Wo lassen Sie ihre Kleidung produzieren?

A.H.: Das Jersey in Portugal und das Gewebe in Polen und Italien. Den Strick in Peru, da wir meistens Alpaka oder Pima-Baumwolle einsetzen.

Waren Sie schon persönlich dort?

A.H.: Wir sind regelmäßig in Portugal und waren vor längerer Zeit auch in Polen. Aber die Betriebe sind alle zertifiziert und stehen unter ständiger Kontrolle.

E.S.: Wir kennen die Lieferanten auch persönlich. Im Fall Peru, da kommt der zwei mal im Jahr zu uns.

Wie wählen Sie Ihre Lieferanten und Produzenten aus?

A.H.: Wir achten auf Zertifikate und wir achten auf das Menschliche. Das spürt man, ob da jemand nur Profit will oder ob jemand tatsächlich etwas verändern will. Da verlassen wir uns auf unser Bauchgefühl.

Wenn Sie sich zwischen fairen Arbeitsbedingungen und Bio-Stoffen entscheiden müssten, wofür?

A.H.: Für mich wäre es wichtiger fair zu sein. In erster Linie, weil die Menschen so schlimm unter den bisherigen Bedingungen leiden.

E.S.: Wobei das ja wieder zusammenspielt. Wenn ich die Erde verseuche, dann trifft das die Menschen letztlich auch. Das ist ja auch unfair.

Was ist schlimmer – die Verarbeitung auf dem Feld oder die Nähbedingungen?

A.H.: Beides ist gleich schlimm. Die haben teilweise Tanks auf dem Rücken dort in Indien und laufen dann mit diesen Gifttanks durch die Felder und spritzen. Die haben keine Masken, kein nichts und atmen es ein. Jährlich sterben dort Menschen.

Wie sehen Sie den Nachhaltigkeitstrend, der auch zum Lifestyle-Trend wird? Ist alles positiv oder sehen Sie auch Kritisches?

A.H.: Nein, ich sehe das nur positiv. Endlich wird mal nachgedacht. Ich hoffe in diesem Zuge und den Berichten in den Medien, dass sich Menschen, selbst nur aus Trendgründen, dafür interessieren. Wenn sie sich damit beschäftigen, dann bleiben sie vielleicht dabei. Denn man spürt, dass die Baumwolle eine andere ist

Letzte Fragen: Was sind die Ziele für die Zukunft?

Beide: Größer werden, wachsen!

Vielen Dank Elke Schilling und Annette Hoffman!

Weitere Informationen und Online-Shop: www.almalovis.de

Das Interview führte Monika Zielinski / Foto: Alma & Lovis

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