(Anzeige)

Ethical Fashion Show: Podiumsdiskussion zur Siegeldebatte

Die Ethical Fashion Show Berlin veranstaltete erneut das Create Green Frühstück in der Schaltzentrale des ewerks am Alexanderplatz. Neben den geladenen Gästen aus Politik und wichtigen Labelvorständen, waren im Publikum auch Vertreter verschiedener Oranisationen sowie Renate Künast anwesend. Das Thema: Ein einheitliches Siegel für soziale und ökologische Standards?

Die Podiumsdiskussion wurde von Stefanie Hütz moderiert und widmete sich diversen Fragen bezüglich einer möglichen Einführung eines neuen Siegels für den Textilbereich. Die umstrittene Thematik kam auf, als Entwicklungsminister Gerd Müller über die Idee eines einheitlichen Siegels im April 2014 in der Öffentlichkeit sprach. Darauf hin wurde ein runder Tisch anbeordnet, der die Möglichkeiten, Ziele und Anforderungen eines Einheitssiegels ermitteln soll.

Podiumsdiskussion mit Renate Künast
Foto: Monika Zielinski

Beim Create Green Frühstück wurde die politische Seite von Lisa Kirfel-Rühle (vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) vertreten. Sie gab an, dass über ein deutsches Siegel offen diskutiert wird. Ein neuer umfassender Textilstandard wird jedoch nicht von jedem begrüßt. Gerade die Vertreter bekannter Label sehen ein weiteres Siegel als zusätzliche Hürde, welche ein Hersteller nehmen muss. Zudem ist derzeit noch unklar, wie umfassend solch ein Einheitssiegel sein muss oder kann. Marisa Przyklenk (von Fairtrade Deutschland) verglich den Vorschlag mit dem Vorhaben ein Brot herzustellen, dass alle Konsumenten befriedigt. Schließlich legen die Hersteller auf jeweils unterschiedliche Aspekte der Nachhaltigkeit ihren Schwerpunkt. Einigen ist Tierleid freie Produktion wichtig während andere faire Arbeitsbedingungen bevorzugen. Dennoch gibt es derzeit viele verschiedene Siegel auf dem Markt, welche nicht zuletzt die Konsumenten verwirren und für Unsicherheit sorgen.

Als die Diskussionsrunde an das Publikum gerichtet wurde, meldeten sich diverse Labelvertreter und auch Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) als engagierte Mitrednerin zu Wort. So ist Künast von einem weiteren deutschen Siegel nicht überzeugt. Sie erinnert daran, dass im Textilbereich viel europaweit und weltweit gehandelt wird. Alleine die Stoffe stammen bereits aus dem Ausland und würden durch ein reines deutsches Siegel nicht mit einbezogen oder geschützt werden. Sie plädiert für einen europäischen Standard einer Transparenzrichtlinie. Demnach sollen alle Modehersteller beispielsweise ihre Produktionsorte offenlegen und für jeden über das Internet ersichtlich machen.

Interessierte Konsumenten könnten dann nach den Bedingungen vor Ort fragen und somit mögliche Missstände aufdecken und dadurch selbstbestimmt Kaufentscheidungen treffen.

Claudia Kersten (von GOTS) sieht ihr Label als ein bereits stark nachgefragtes Siegel, welches zudem alle drei Jahre modernen oder notwendigen Neuerungen unterzogen wird. Sie ist ebenfalls gegen ein neues Siegel, statt dessen für eine übersichtliche Zusammenfassung aller bisherigen Label. Ein Textilbündnis erhält die Vielseitigkeit und gibt jedem Hersteller die Möglichkeit der Wahl sich nach den gewünschten Anforderungen zu zertifizieren.

Von Seiten der Siegelvertreter und Verbände im Publikum drang ein Appell an die Politik, welche die Missstände und folgenlosen Handlungen der Textilkonzerne aufgreifen und konkret auflösen muss. Die Frage nach einem weiteren Siegel wäre demnach nicht so wichtig, wie die Fragen, welche Maßnahmen die politische Seite durchführen kann, um die Ungerechtigkeit zu verhindern. Der Fokus solle demnach bei den Herstellern und Konzernen liegen, die bisher nichts zum Thema Nachhaltigkeit und Fairness in der Textilkette geleistet haben. Ein Klagerecht für ausländische Stoffproduzenten in Deutschland gegen Auftraggeber, welche die Richtlinien nicht einhalten, wurde von Künast gefordert.

Der lebhafte Einblick in die Siegeldebatte beim Create Green Frühstück stellte damit einen ersten Eindruck der Meinungen dar. Es bleibt viel zu bereden und zu entscheiden, doch ein erster wichtiger Einstieg in die notwendige Thematik ist geschafft.

Text: Monika Zielinski

Das könnte Dich auch interessieren

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*

*

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmen Sie der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung (selbstverständlich ohne Namen) unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen