(Anzeige)

Greenshowroom: Maria Seifert im Interview

maria seifert - SS15 KollektionFür die dezente und feminine Mode von Designerin Maria Seifert mit maria seifert collections war der Greenshowroom im Hotel Adlon Kempinski genau die richtige Messe zur Vorstellung ihrer neuen Spring/Summer 2015 Kollektion. Ich traf sie dort am 10. Juli 2014 für ein Interview und schaute mir vorher kurz die neue Kollektion an.

Frische Farben wie Gelb, Pfauenfederdrucke oder blasses Blau machen die unkompliziert geschnittenen Modelle vielseitig tragbar. Für die neue Kollektion kam vor allem Bio-Baumwolle zum Einsatz, dennoch erinnern Griffigkeit und Tragegefühl der Jacken an festen Leinenstoff. Von der Struktur des Materials ist die Designerin selbst auch begeistert. Zudem gefallen ihr geradlinige Schnitte und der japanische Stil, was in den neuen Modellen auch zu erkennen ist.

Ihr Label gründete sie erst 2012, obwohl ihr Modedesignstudium schon ein wenig zurückliegt. Im Gespräch erzählte sie von ihren persönlichen Anfängen im Eco-Bereich, den Schwierigkeiten für junge nachhaltige Designer und der Bedeutung des Einzelhandels für diese wachsende Branche.

Wie kamen Sie zur nachhaltigen Mode?

M.S.: Zur nachhaltigen Mode kam ich durch einen Freund. Ich habe mein Studium abgeschlossen, danach gefreelanct und die Mode ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Der Grund dafür war, dass ich einfach keinen Sinn darin gesehen habe konventionelle Mode zu machen. Ich hatte aber von nachhaltiger Mode, muss ich ehrlich zugeben, damals noch keine Ahnung. Dann habe ich mich mit einem Freund zusammengesetzt und von den ganzen nachhaltigen Messen erfahren. Ich habe mich anschließend informiert, bin auf die Innatex gestoßen und dann gesagt ‚Ok, hier fühle ich mich Zuhause, das mach ich‘.

Haben Sie vorher auch im konventionellen Bereich gearbeitet?

M.S.:Nein. Ich hab dann das Studium abgeschlossen, doch nicht jeder, der Modedesign studiert hat, steht am Ende glücklich da und sagt ’super‘. Man wacht im Studium auf und man wacht danach ganz schön auf. Ich hab mit 19 angefangen zu studieren. Viele meiner Kolleginnen haben vorher Ausbildungen gemacht, die wussten was auf sie zukommt, ich nicht. Ich bin blauäugig rangegangen, das sage ich ganz offen und ehrlich. Und dann habe ich mich natürlich im konventionellen Bereich beworben, bei Esprit und Marco Polo. Ich empfand die Unternehmen als sehr gewinnorientiert und die entscheiden du natürlich ganz anders, die Denke ist dann nicht so nachhaltig orientiert. Das war mir zu viel. Ich hatte das Gefühl, ich komme da nicht an. Ich habe danach an meiner ersten Kollektion weitergearbeitet, die dann im Guggenheim Museum ausgestellt wurde und dort habe ich von dem Innovationspreis und „Sustainable Fashion“ erfahren. Ich habe erfahren, dass es ja Gleichgesinnte gibt. Das Gefühl war schon da, wo ich hinwollte, aber es war niemand da, der mich an die Hand genommen hat und durch den Greenshowroom geführt hat. Ich wusste das gar nicht und bin dann reingeschlittert.

Das ist schön, dass Sie schon vorher spürten, was Sie wollten und nach Ihren Moralvorstellungen gehandelt haben, obwohl Sie die nachhaltige Bewegung noch gar nicht kannten.

M.S.: Ja, wenn man natürlich so trainiert ist, Termine auch innerhalb der Familie einzuhalten und sich nicht nur auf sich selbst konzentriert, sondern auch auf die Gemeinschaft schaut, dann ist man dafür sensibilisiert. Die Sinne sind geschärft. Ich guck mich um und schaue, was ist Trend, wo will ich hin, wo sehe ich die Frau heute und was ist für mich ein schöner urbaner Look. Das ist mir ganz wichtig.

Ist Ihr Privatleben auch nachhaltig geprägt?

M.S.: Ja, sehr. Aber nicht nur in puncto Bekleidung und Ernährung im Privatleben. Für mich hat Nachhaltigkeit auch viel im Umgang mit Menschen zu tun. Wie trete ich meinem Gegenüber entgegen. Bei den Bewerbungen hat mich auch die Kommunikation so gestört, es lief teilweise sehr respektlos ab. Nachhaltigkeit hat für mich nicht nur etwas zu tun mit der Natur respektvoll umzugehen, sondern auch mit den Menschen, mit denen ich umgehe und mit denen ich arbeite. Das zieht sich bei mir konsequent durchs Leben. Ich bin schon so erzogen wurden.

Sie haben 12 Jahre in Berlin gelebt und gearbeitet. Jetzt sind Sie mit maria seifert collections zurück nach Leipzig gezogen, warum?

M.S.: Es ist mir hier zu oberflächlich, zu schnelllebig und ich wollte einen Rückzugsort haben. Ich brauchte etwas für mich Bodenständiges unter den Füßen. Das hatte gar nicht damit zutun, dass ich dort Wurzeln habe, sondern ich fand, dass Leipzip sich gerade extrem entwickelt und nicht auf jeden Hype aufspringt. Das finde ich super wichtig, um konzentriert arbeiten zu können. Die Menschen sind ein wenig zurückgenommener und eigenwilliger. Auch ein bisschen abwährender, das finde ich aber gut. Ich mag dieses Bodenständige und nicht so Vordergründige der Stadt. Ich finde es schön an der nachhaltigen Entwicklung teilzuhaben.

maria seifert - Kollektion SS2015Wie wichtig ist Ihnen das Onlinegeschäft im Vergleich zum Einzelhandel vor Ort?

M.S.: Die Einzelhandelsgemeinschaft wird unterschätzt, aber es gibt noch immer viele Kunden, die keine Lust haben ständig im Onlineshop einkaufen zu müssen. Es wird in der Presse gerade stark kommuniziert, dass der Onlineshop das Credo ist und jeder müsse ihn haben. Das glaube ich nicht. Der Einzelhandel muss einfach verstehen, wo wir unser Potential haben. Zum Beispiel in Geschäften kleine Aktionen durchzuführen. Der Einzelhandel sollte sich so wieder aufstellen, das war früher auch schon so.

Es hat sich durch große Shops wie H&M oder Mango eingebürgert, dass die Leute da reingehen, ihre Sachen raussuchen, keine Beratung wollen und schnell wieder raus sind. Es gibt aber noch Kunden, die das Einkaufsevent haben wollen und die Lust haben mit ihrem Einzelhändler ein bisschen vertraut zu sein. Sie wollen beraten werden, weil das Bedürfnis, gerade bei nachhaltiger Mode, gut auszusehen auch da ist. Ich finde das wunderschön, die Kunden zu beraten und sie durch die Kollektion zu führen. Darin liegt die Stärke des Einzelhandels. Einkaufen hat auch etwas mit Freizeitgestaltung zu tun, du willst dich wohlfühlen, du willst mal abschalten und dir etwas Gutes tun.

Achten Sie bei der Wahl der Ladengeschäfte auf deren nachhaltiges Konzept?

M.S.: Ich kommuniziere sehr gern, dass ich nachhaltige Mode machen und hauptsächlich Materialien, die GOTS zertifiziert sind, verwende. Im Winter ist es schwierig zertifizierte Materialien zu bekommen. Ich kommuniziere das aber nicht mehr so stark, denn für mich ist das Normalität. Ich finde für jedes Label sollte das Normalität sein und es ist schade, dass wir das noch immer so in den Vordergrund stellen müssen. Alle Kunden, die interessiert sind, schauen sich die Marke genau an und das ist für sie dann ein Aha-Effekt. Das finde ich toll. Für meine Kunden hat das einen ganz anderen Charakter, wenn ich damit normal umgehe und es nicht als Verkaufsargument benutze. Es ist ein Verkaufsplus, aber ich gehe auch in Boutiquen, die jetzt erst aufwachen und unterstütze das. Ich sage nicht ’nein‘ zu gemischten Läden, die erst anfangen etwas zu ändern. Das wäre mir zu intolerant.

Im nachhaltigen Modebereich ist die Auswahl an zertifizierten Materialien derzeit noch begrenzt. Welche Stoffe sind für Eco-Designer schwer zu bekommen?

M.S.: Wolle ist ganz schwierig. Bei Merinowolle dem Ganzen zu vertrauen, dass diese von kontrolliert biologischer Tierhaltung stammt, finde ich schwierig. Da bin ich immer skeptisch. Jeans ist schwierig, weil man immer viele Meter abnehmen muss und ich bin noch kein Label, welches pro Saison eine Auflage von 1000 T-Shirts hat. Da trete ich ins Gespräch mit meinen Zwischenhändlern, die dann Sammelbestellungen machen. Da kann es auch sein, dass die Sammelbestellungen nicht voll werden und dann gibt es den Stoff nicht.

Ich würde mir wünschen, es gäbe mehr recyceltes Polyester. Es wäre natürlich schön, wenn recyceltes Polyester nicht erst tausende von Kilometern hinter sich bringen müsste, dann finde ich das auch nicht so nachhaltig. Aber ich finde das Konzept super gut Plastik zu recyceln und wiederzuverwenden. Das würde ich jedoch nur gezielt verwenden wie zum Beispiel für Röcke und nicht für Körperstellen wo man stark schwitzt.

Sind tierische Fasern für den Winter so wichtig? Sie könnten auch Baumwolle für Mäntel oder Strick verwenden.

M.S.: Nein, sie ist nicht wichtig, aber Schurwolle ist einfach warm und ein Schurwollmantel hält wärmer als eine Baumwolljacke. Wenn ich eine Baumwolljacke gut abfüttern will, dann geht es in die Produktionskosten und dann muss ich wieder logistisch darüber nachdenken, ob das meine Endkunden bezahlen – weil natürlich auch die Endkunden durch steigende Lebenserhaltungskosten ein finanzielles Limit haben. Das darf man als Designer auch nicht vergessen

Die Stoffe sind also die größte Schwierigkeit für junge Eco-Designer?

M.S.: Ja, vor allem bei Anfängern, denn es wäre einfacher, wenn wir kleinere Stoffmengen zu guten Preisen bekommen würden. Ich verstehe das auch. Ich habe jetzt eine Weiterbildung zur textilen Veredelung gemacht. Die Maschinen müssen eingestellt werden für ökologische Herstellung von Stoffen, die müssen gereinigt werden, zum Teil räumlich getrennt werden und das ist schon hart für eine Firma, die dann 50 Mitarbeiter hat und ihren Tagessatz schaffen muss. Und das schaffen sie nicht mit 50 Metern, das schaffen sie mit 3000.

Im September eröffnet maria seifert collections ihr neues Atelier in Leipzig und hat zudem verraten, dass noch weitere Veränderungen bei ihrem Label folgen sollen. Man darf also gespannt sein. Zunächst einmal vielen Dank Maria Seifert!

Weitere Informationen und Online-Shop: www.mariaseifert.com

Das Interview führte Monika Zielinski / Fotos: Greenshowroom

Das könnte Dich auch interessieren

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*

*

Durch das Fortsetzen der Benutzung dieser Seite, stimmen Sie der Benutzung von Cookies zu. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung (selbstverständlich ohne Namen) unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.

Schließen