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Ethical Fashion Show: NIX Berlin im Interview

Das langjährige Berliner Label NIX hat sich erstmals im Juli 2014 auf der Ethical Fashion Show Berlin präsentiert. Nach einem mehr als 20-jährigen Bestehen des 1991 gegründeten und lokalen Labels hat die Inhaberin und Designerin Barbara Gebhardt vor wenigen Jahren den Schritt in die Nachhaltigkeit gewagt und die damit verbundenen Herausforderungen gemeistert. Im Interview erzählte sie von ihren anfänglichen Schwierigkeiten mit der neuen Bio-Line und von den Veränderungen in der Mode bei den Berlinern.

NIX - KleidNachhaltigkeit war Ihnen von Anfang an wichtig, dennoch bieten Sie erst seit kurzem eine Bio-Line an. Wie kam es dazu?

B.G.: Ja, es war wahnsinnig schwierig das zu etablieren. Wir sind schon immer bedacht auf sehr gute Qualität, wir haben schon immer in Berlin gefertigt und in Deutschland – danach in Polen in einem Familienbetrieb. Den Wunsch mehr nachhaltig zu arbeiten gibt es schon länger, aber in dieser Branche dauert das unheimlich lange. Man kriegt nicht die Materialien, die man sich wünscht und es war wirklich mühsam von den Produzenten her. Ich hatte das Gefühl, da ist ein anderer Takt. Ich bin wirklich zwei Saisons richtig auf die Schnauze gefallen, weil ich es nicht geschafft habe in dem Zeitfenster, das mir zur Verfügung steht, die Kollektion zu entwickelt. Das lag hauptsächlich daran, dass ich die Stoffe nicht rechtzeitig bekommen habe.

Dauert also die Produktion länger?

B.G.: Nein, ich habe mich selber gewundert. Es ist so als wäre die ganze Szene noch nicht auf dieses Tempo „Mode“ eingerichtet. Man kriegt es schon irgendwann, aber halt irgendwann. Man braucht also eine noch längere Planungsphase und die ist ohnehin schon ein Jahr vorher. Dann habe ich trotzdem letztendlich nur zwei Monate, um eine Kollektion zu entwickeln und wenn ich den Stoff nicht habe, dann ist es einfach schwierig und klappt nicht.

Jetzt bin ich soweit und habe auch die entsprechenden Kontakte. Der ganze Markt hat sich in diese Richtung besser entwickelt. Die Hersteller sind zuverlässig, es gibt mehr Auswahl, es gibt mehr Möglichkeiten.

Wie sieht die Zukunft mit der Bio-Line aus. Werden Sie komplett auf zertifizierte Stoffe umsteigen?

B.G.: Ja, bin ich schon. Ich habe eine ganz tolle Produktionsfirma in der Türkei, die sind komplett zertifiziert und stricken mir auch die Qualitäten, die ich möchte und färben das in meinen Farben und das auch in Mengen, die machbar sind. Bei 1000 Stück fängt es überhaupt erst an, dass man selber mitbestimmen kann. Darunter ist schwierig und daran scheitern glaube ich auch viele junge Designer.

Wo kommen die Stoffe her und wo wird die Kleidung gemacht?

B.G.: Die Stoffe werden auch in der Türkei gemacht. Die Jerseys lasse ich komplett da fertigen und habe dort auch eine zuverlässige Produktionspartnerin, die mir das vermittelt. Bei den Oberstoffen, da habe ich jetzt auch zwei bis drei Weber, die auf meine Wünsche eingehen. Das lasse ich in meiner Produktionsstätte – mit denen arbeite ich schon 15 Jahre – hinter Frankfurt Oder in einem Familienbetrieb fertigen. Wir mustern in der Werkstatt und bilden dort auch aus.

Der Umstieg bezüglich der Stoffe war bereits schwierig, gab oder gibt es sonst noch Probleme?

B.G.: Natürlich auch, dass meine Boutiquen mitgehen. Ich konnte es mir nicht leisten meine EK-Preise noch höher zu schrauben. Ich hatte schon das Gefühl, das ist jetzt ein Limit, welches „ok“ für die ist. Aber dann war ich häufig schon das teuerste Label im Portfolio der Boutiquen. Auch in meinem eigenen Laden möchte ich ein gewisses Preisniveau nicht übersteigen, sonst erreiche ich nicht mehr die Leute, die ich erreichen möchte. Ich möchte eigentlich, dass es sich jeder leisten kann und es viel und gerne getragen wird.

Ich habe natürlich auch einen neuen Kundenstamm aus dieser grünen Szene, die gerade wahnsinnig aufploppt. Ich habe das Gefühl, dass das noch nicht so satt ist und das die Leute offener und freundlicher sind. Für mich war das ein toller Schritt. Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass ich das gemacht habe.

Die Kunden haben den Umstieg also gut aufgenommen?

B.G.: Die Kunden haben es gut aufgenommen, auch meine Boutique-Kunden. Das muss man natürlich sehr stark kommunizieren. Ich finde es auch einfach richtig, wir dürfen nicht mehr so weitermachen. Es ist ein Ideal, das man hat und die Mode ist teilweise so ein mieses Blutgeschäft. Ich hätte sonst wahrscheinlich auch irgendwann aufgehört, weil ich das einfach nicht mehr ertragen kann. Niemand braucht ein fünf Euro T-Shirt zehn mal. Dann kaufe ich mir halt zwei T-Shirts und dann dürfen die auch 30 oder 50 Euro kosten. Das kann sich eigentlich jeder leisten.

NIX - Jacke und RockSie sind schon seit über 20 Jahren in Berlin – wie hat sich das Modeverständnis mit den Jahren geändert?

B.G.: Als ich angefangen haben Anfang der 90er, da haben die Leute wirklich mehr ausgegeben für Mode. Ich hatte Studenten, die an ein schönes Stück hingespart haben. Mein Eindruck ist, ich sage es jetzt mal so plakativ, da hat Design noch einen Wert gehabt und heute dreht sich das so schnell, jede Idee geht sofort in die Breite. Der Markt ist voll mit Trendscouts oder wie auch immer und jede Idee, die man auf den Markt bringt, wird natürlich sofort vervielfältigt und in einer Breite auf den Markt geschmissen, dass es an Innovationswert unheimlich verliert.

Dabei denkt man, es gibt gerade Innovationen, weil jedes Jahr neue Trends kommen oder wiederkommen.

B.G.: Ja oder wiederkommen. Ich glaube für ein Label ist es wichtig, dass man bei seiner Aussage bleibt und seine Handschrift entwickelt und eben nicht versucht alles zu bedienen, sondern bei seiner Kernaussage bleibt. Das würde ich eigentlich jedem Designer empfehlen, egal welche Stilrichtung man sich aneignet, dass man versucht bei sich zu bleiben und nicht auch noch nach links und rechts greifen möchte.

Sie bleiben also möglichst bei sich. Haben Sie sich modisch dennoch verändert?

B.G.: Ja natürlich, früher haben wir viel mehr experimentiert. Ich komme aus dem Grundge, das kann man sich ja ungefährt vorstellen – und ich bin auch selber erwachsener geworden und meine Kundin mit mir. Die Mode hat sich auch verändert, das darf man nicht vergessen. Ich meine jetzt nicht mit „bei sich bleiben“, dass man immer wieder das gleiche macht. Den Zeitgeist muss man natürlich mit aufgreifen. Unsere Mode ist vielleicht noch klarer und vielleicht noch kompatibler, auf jeden Fall erwachsener geworden. Man entwickelt sich auch selber und muss nicht mehr in eine Kollektion alle Ideen reinpacken.

Ihre Mode will und soll lange halten, dafür bieten Sie auch Reparaturen an. Wie funktioniert das ungefähr?

B.G.: Das kommt schon immer oft vor. Wir wechseln Reißverschlüsse, wir kürzen, wir ändern um. Letztens war eine Kundin da, die hat wirklich auf dem Flohmarkt ein altes NIX Stück gekauft, das viel zu groß für sie war und sie meinte, sie mag diesen Stoff so und ich sollte jetzt aus diesem Teil einen Rock nähen. Mache ich dann auch und finde ich total nett.

Unsere Sachen halten auch, manchmal 10 bis 12 Jahre. Das finde ich toll und das ist auch so angelegt. So ein Jeans ist im Grunde unverwüstlich. Ich denke immer bei diesem ganzen Used-Look, ich möchte selber meine Erlebnisse in meine Hose schreiben und eine Geschichte zu diesem Loch haben, dass ich mir reingerissen habe und nicht von vorneherein eine kaputte Hose kaufen.

Hat man als Eco-Designer nicht den Größenwahn ein ganz großes Label zu werden?

B.G.: Das hatte ich noch nie. Das sind andere Dimensionen und ehrlich gesagt: Es bringt mir am Ende nicht mehr Lebensqualität. Es bringt mir nur Stress und Risiko. Aus meiner Erfahrung habe ich schon so viele Labels gesehen, die sich genau an diesem schnellen Hype und Wachstum so verbrannt haben. Die waren dann immer gleich ganz weg. Ich bin eigentlich langsam und stetig gewachsen und wachse immer noch. Das finde ich wunderbar.

Vielen Dank Barbara Gebhardt!

Weitere Informationen: www.nix.de

Das Interview führte Monika Zielinski / Fotos: Ethical Fashion Show

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