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Greenshowroom: Skrabak im Interview

Feminine Mode mit Handwerkselementen und kulturellen Einflüssen – das zeigte Franka Skrabak im Greenshowroom im Rahmen der Berlin Fashion Week. Ihr 2014 gegründetes Label Skrabak widmet sich nicht nur der nachhaltigen Philosophie von Green Fashion, sondern setzt dabei noch auf ganz viel Tradition. Im Interview erzählte die junge Designerin von ihrer Faszination für das Handwerk verschiedener Kulturen und ihren Einstieg in das eco-faire Modebusiness.

Skrabak - Modenschau Greenshowroom
Foto: Timur Emek/Getty Images for Greenshowroom

Die Kollektion trägt den Name „Rose of Marrakesh“ und beschäftigt sich mit der reichen Farbwelt des Orients, der Fliesenmalerei und der lebhaften Kultur Marokkos. Dunkles Blau für Mäntel und Hosen sowie dezente Creme- und Rosétöne für Kleider und Oberteile zeichnen die schlicht und akkurat geschnittene Kollektion aus. Nach einer freien Mitarbeit bei dem türkischen Designer Ümit Ünal startet die Designerin nun ihr eigenes Label und legt dabei großen Wert auf drei tragende Säulen: Lokale Produktion im Erzgebirge, Verwendung zertifizierter Stoffe, feminine und klassische Schnittführung mit vielseitiger Passform.

Wie sind Sie darauf gekommen nachhaltig zu werden?

F.S.: Das war für mich immer selbstverständich, wenn ich mein eigenes Label mache, dass ich nicht mit unzertifizierten Stoffen arbeiten will. Mein Master war beispielsweise auch das Thema „Haut“ und ich finde es in der heutigen Zeit eigentlich unabdingbar und selbstverständlich in der Mode Stoffe zu verwenden, die die Haut nicht beeinträchtigen, die keine Ausschläge machen, die nachhaltig und green sind. Auch meine Drucke sind GOTS zertifiziert, also der höchste Standard. Die Siebdruckfarben sind reine Pigmente auf Wasserbasis vermischt mit einem Fixiermittel. Da sind keine Alkaide und keine Benzoide drin. Das ist möglichst pur, was mir sehr wichtig war. Denn sonst sind viele Zusatzstoffe drin, die dann wiederum über die Fixierung auskristalisieren, dann in dem Stoff sind und dann bei dem Menschen auf der Haut. Kam für mich nie in Frage so zu arbeiten.

Skrabak - Modenschau GreenshowroomIn wie fern haben Sie sich während Ihres Masters mit den tatsächlichen Gefahren der konventionellen Stoffe beschäftigt? Schließlich bekommt nicht jeder von einem herkömmlichen T-Shirt einen Ausschlag.

F.S.: Da gibt es noch nicht wirklich Studien. Es ist aber beispielsweise belegt, dass Frauen, die die Sachen einpacken oder auspacken in den jeweiligen Ländern wie Indien, Bangladesch und soweiter, Hautausschläge und Spätfolgen haben. Da denke ich mir natürlich, wenn ich mein T-Shirt von C&A bekomme und wasche, dass das raus ist, aber wie weit ist das raus. Die andere Frage ist dann, warum sollte ein T-Shirt von Kinderhänden für 4 Cent in Bangladesch produziert werden, wenn wir auch hier unseren Bäcker ganz normal bezahlen und auch in anderen Bereichen normal zahlen, Backstuben sauber halten und dergleichen. Warum sollten wir das in der Mode nicht machen? Für mich ist das eigentlich eine komische Entwicklung gewesen, dass man das überhaupt erst auf dieser anderen Schiene gemacht hat und jetzt so umschwenken muss. Warum hat man nicht sofort so angefangen? Warum muss man jetzt überhaupt die Leute von Green Fashion überzeugen, wenn das eigentlich das „Normale“ ist? Wieso muss man die Leute davon überzeugen, dass die Menschen, die die Mode produzieren. auch dafür bezahlt werden? Das ist doch selbstverständlich.

Ein Schwerpunkt bei Ihnen ist, dass sie Handwerk mit einbringen.

F.S.: Genau. Jede Kollektion basiert darauf, dass aus unterschiedlichen Kulturen jeweils ein Handwerk oder eine kulturelle Besonderheit aufgenommen wird. Dies wird in die westlich angehauchte Schnittführung und Kleidung von Skrabak eingebracht und auch modifiziert. Das heißt, eine Stickerei oder ein Druck wird hier umgesetzt, obwohl es vor Ort meinetwegen eine Schnitzerei oder Fliesenmosaikkunst war.

Für die Rose of Marrakesh war die Fliesenmalerei und die Fliesenmosaik-Handwerkskunst der Schwerpunkt für die Drucke. Ich bin vor Ort gewesen, habe Fotos gemacht und aus diesen einzelnen Mosaikstücken meine eigenen Muster kreiert, die ich wiederum in Süddeutschland auf Stoffe habe drucken lassen.

Sie achten also nicht auf das Stoffhandwerk, sondern auf das kulturelle Handwerk im Allgemeinen.

F.S.: Genau, auf die kulturellen Besonderheiten, die in der jeweils gewählten Inspirationskultur vorhanden sind. Auf die achte ich und die hole ich quasi auf die Modeebene zurück.

Sie Reisen für Ihre Arbeit viel umher. Worauf achten Sie da beim Handwerk in den Kulturen?

F.S.: Ich finde es ganz schön, wenn es etwas altes und uriges ist, was wirklich noch mit den Händen hergestellt wird, nicht maschinell. Wie auch bei den Fliesen. Da war ich in einer Werkstatt, wo die wirklich auf dem Boden sitzend aus bunten Fliesen kleine Stück herausgeschlagen und wieder eingesetzt haben. Das sind Elemente, auf die ich mich bezogen habe und aus denen habe ich meine digitalen Muster zusammengesetzt. Solche Dinge inspirieren mich sehr.

Wie kamen Sie darauf – kommen Sie aus dem Handwerk?

F.S.: Nein, das hat mich schon immer fasziniert. Andere Länder, andere Kulturen, andere Sitten haben mich schon immer fasziniert. Meine erste Reise habe ich mit 12 Jahren nach Russland gemacht und habe eigentlich nie aufgehört zu reisen. Ich habe mir auch immer etwas mitgebracht und diese Faszination eigentlich seit dem ersten Semester im Modestudium miteingebunden.

Sie lassen alles in Deutschland fertigen?

F.S.: Genau, das wird alles im Erzgebrige gefertigt, in einem sehr schönen Handwerksbetrieb, wo 20 Frauen arbeiten und zwei Chef-Schneidermeister sind. Dort funktioniert eine faire Lohngebung, faire Arbeitszeiten und da lasse ich fertigen.

Waren Sie schon vor Ort?

F.S.: Ja klar. Ich hole die Sachen immer ab und ich bringe die Sachen auch hin. Die Kollektion wird zudem zwei Tage vorbesprochen, da bin ich auch dabei.

Skrabak - Modenschau GreenshowroomIch finde Ihre Mode so schön weiblich. Sie erinnert ein wenig an die 50er Vintage-Schnitte.

F.S.: Ein bisschen von dem. ‚Die Frau bleibt weiblich und ist trotzdem taff‘, so sehe ich die Mode. Jedes Kleid geht bis zum Knie. Die Frau kann zu bestimmten Anlassen mit dem Kleid gehen und sie wird nie billig dastehen, weil die Länge zu kurz ist oder der Ausschnitt zu tief. Auf der Ebene ist es vielleicht fast schon zurückhaltend, gleichzeitig machen aber die fallenden Röcke eine weibliche Figur. Für viele Frauentypen eigentlich auch eine schöne Figur, denn die Kleider sind so geschnitten, dass die Ärmel meistens über die Schulter lappen. Das heißt, auch für ältere Frauen, die mit ihren Ärmchen nicht immer zufrieden sind. Dann sind die Sachen so geschnitten, dass eine große und eine kleine Brust reinpasst und eine breite oder schmale Schulter. Die Kleider sind so geschnitten, dass sie einer Frau, die gerne isst oder nicht gerne so viel Sport macht, passen. Sie sieht dann genau so wunderschön aus, das war mir auch sehr wichtig.

Wie sehen Sie als Jungdesignerin die Situation an Stoffauswahl und den Einstieg in die Eco-Mode?

F.S.: Das fand ich ganz angenehm für mich, denn ich bin auf die Munich Fabric Start im Februar gegangen. Da ist ein riesen Angebot an Stoffen general und da gab es einen Green Showroom, dort waren Stoffproben von den ganzen Anbietern grüner Stoffe. Ich konnte dann gezielt zu den Anbietern hingehen. Das fand ich super und habe dort zwei sehr gute Verkäufer gefunden, einmal aus der Schweiz und einmal aus Deutschland. Die nehmen auch Jungdesigner wahr, die weniger bestellen. Das fand ich sehr angenehm. Für mich war das ein guter Einstieg. Auch bei den bedruckten Stoffen in Süddeutschland – dort kann man schon ab 25 Meter bestellen, was für mich auch ausreichend ist am Anfang.

Wenn Sie in Zukunft wachsen, legen Sie dann Wert darauf, dass Sie im Erzgebirge bleiben?

F.S.: Ja, ich möchte das sehr gerne im Erzgebirge lassen, denn ich komme mit denen sehr gut klar und sie sind in der Verarbeitung hervorragend. Die Sachen sind tiptop genäht, die Kommunikation ist 1A, ich bin unglaublich zufrieden mit denen. Gut, je nach dem wie groß das jetzt wächst. Wenn das riesengroß wird, dann würden die das nicht mehr stämmen. Aber dann würde ich Empfehlungen bekommen, wo man auslagern kann.

Vielen Dank für das Gespräch Franka Skrabak!

Weitere Informationen: www.skrabak.de

Das Interview führte Monika Zielinski / Fotos: Timur Emek/Getty Images for Greenshowroom

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